Der zweite Bildungsurlaub in diesem Jahr in Berlin vom 01. – 02.08.2019 mit dem Thema „Suggestive Beeinflussung des Menschen in der NS-Zeit“ war wieder lehrreich und spannend. Da die Veranstaltungen sehr beliebt sind, konnten auch in diesem Jahr nicht alle Anmeldungen berücksichtigt werden.

Mit fast 30 Teilnehmern starteten wir mit einem Fachvortrag in der Bundeszentrale für politische Bildung. Prof. Dr. Stefan Büttner von Stülpnagel machte uns in seinem Vortrag sehr deutlich, wie leicht der Mensch durch verschiedene Einflüsse seiner Umgebung unbewusst oder bewusst beeinflusst werden kann. Mit psychologischen Methoden wurden insbesondere in der NS-Zeit die Menschen suggestiv beeinflusst. Wir waren alle sehr beeindruckt, haben anschließend eine anregende Diskussion geführt und mussten leider auch zum heutigen Alltag sehr viele Parallelen erkennen, was Angst machen kann. Das System funktioniert immer nach den gleichen Regeln: Ideologie-Weltbild, Terror (Einsatz von Gewalt – auch psychisch), Feindbild aufbauen, Entmenschlichung (man passt nicht mehr ins Bild), Populismus (Gemeinschaft durch Abgrenzung), Heroismus (Heldentum, Heldenhaftigkeit).

Anschließend war eine Pause und gemeinsamer Fußmarsch zum jüdischen Museum angesagt. Mann sinnte über das eben Gehörte und versuchte es zu verarbeiten. Im Museum wurden wir in 2 Gruppen aufgeteilt und erlebten die postmoderne Architektur von Daniel Libeskind mit ihren Bezügen auf deutsch-jüdische Geschichte geprägt durch die besondere Raumerfahrung. Die Wände neigen sich, der Boden steigt an. Das Material ebenso wie die Form des Gebäudes hinterlassen Wirkung. Wie die Wahrnehmung ausgelöst wird haben wir vorher gehört und nun erfahren. Manch einer von uns war so betroffen, dass ihm während der Führung schwindlig oder gar übel wurde. Eine Beeinflussung, gespürt am eigenen Leibe.

Am nächsten Tag trafen wir uns vor dem Olympiastation. Es gilt als eines der wichtigsten Baudenkmäler der NS-Zeit. Welche Absichten ursprünglich hinter diesen architektonischen Details steckten und wie die Menschen dadurch beeinflusst wurden und die Architektur für die Zwecke der NS-Ideologie genutzt wurde, erfuhren wir während einer speziellen Architektur-Führung. Im Jahr 1912 wurden die Olympischen Sommerspiele 1916 nach Berlin vergeben. Dafür wurde innerhalb von 200 Tagen im Inneren der 1909 entstandenen Rennbahn Grunewald das Deutsche Stadion nach Plänen des Architekten Otto March errichtet und am 8. Juni 1913 eingeweiht. Wegen des Ersten Weltkriegs fanden die Olympischen Spiele 1916 jedoch nicht statt. Nach dem Ersten Weltkrieg blieb Deutschland von den Olympischen Spielen 1920 und 1924 ausgeschlossen.  Die XI. Olympischen Sommerspiele 1936 wurden am 13. Mai 1931 nach Berlin vergeben. Zunächst planten die Organisatoren der Spiele, das bestehende Deutsche Stadion umzubauen. Mit den Planungen wurde Werner March, Sohn des Architekten des Deutschen Stadions Otto March, beauftragt. Entgegen der ursprünglichen Planung, das Deutsche Stadion für die Olympischen Spiele umzubauen, ordnete der neue Reichskanzler Adolf Hitler, wegen des zu erwartenden propagandistischen Effektes für Deutschland im Oktober 1933, den Bau eines neuen Großstadions an gleicher Stelle an und beauftragte den bisher zuständigen Architekten Werner March mit den Planungen. Das Stadion wurde am 1. August 1936 anlässlich der XI. Olympischen Spiele, nach einer nur 28-monatigen Bauzeit, eröffnet. In der Tribüne auf der Südseite befindet sich eine Ehrenhalle und davor die ehemalige Führerloge, die auf eine der letzten Anordnungen der britischen Militärverwaltung hin um zwei Meter verkürzt werden musste, um den Bereich, in dem sich Hitler während der Olympischen Spiele aufgehalten hat, zu entfernen und so einer möglichen neonazistischen Kultstätte vorzubeugen. Wir saßen im VIP-Bereich und erhielten all diese Erklärungen, keine Frage blieb offen.

Da am nächsten Tag die „Die Finals – Berlin 2019“ begannen, war es leider nicht möglich alles anzuschauen aber in der mehrstündigen Führung durch die gesamte Anlage bekamen wir außergewöhnlich viel erklärt von einem wirklichen Insider. Wieder schloss unser Bildungsurlaub mit einem Highlight ab. In der Abschlussreflexion haben wir die erlebten und gelernte Inhalte und Eindrücke kritisch hinterfragt und waren beeindruckt davon, wie Menschen durch unterschiedlich herbeiführte Einflüsse suggestiv beeinflusst werden können. Meist ist es die manipulative Beeinflussung einer Vorstellung oder einer Empfindung, ohne dass diese Beeinflussung von dem Beeinflussten wahrgenommen wird.